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Die Heuschrecke mit dem Kaninchenkopf

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„Erst haben die Menschen das Atom gespalten, jetzt spaltet das Atom die Menschen.“

Gerhard Uhlenbruck (*1929), dt. Aphoristiker, Immunbiologe u. Hochschullehrer

Die Diskussion über Kernkraft ist nun schon ein uraltes Thema über das man sich auf allen Ebenen auslässt. Und Gerhard Uhlenbruck hat Recht. Das Atom spaltet die Menschen tatsächlich.

Die Kernenergie hat ihre Pros und Kontras. Obwohl Pro und Kontra nur gemeinsam ein Ganzes ergeben können, ist das bei den Menschen nicht so. Die Gesellschaft spaltet sich in zwei Lager – Die Ablehnenden und die Befürworter. Kaum jemand schafft es, Vor- und Nachteile in Einklang zu bringen, jeder verbohrt sich in seine einseitige Sichtweise.

  • Atomkraft ist nicht so sicher, wie oft unterstellt wird. Immer wieder kommt es zum Austritt radioaktiver Substanzen in die Umwelt
  • Beim Abbau von Uran werden Landschaften verwüstet.
  • Eine große Menge Uran kommt aus Russland. Bei einem Verzicht auf Gas sinkt die Abhängigkeit vom Energielieferanten Russland nicht
  • Bis zur Fertigstellung eines Atomkraftwerkes vergehen mitunter Jahrzehnte. Daher ist nicht gesichert ob der Atomstrom bei der Fertigstellung noch kostendeckend produziert werden kann
  • Die Atommüllentsorgung ist derzeit nicht sichergestellt. Durch Zwischenlager wird die eigentliche Entsorgung nur herausgezögert

Sicher sind dies einige Argumente, die absolut nicht für Atomenergie sprechen. Trotzdem gibt es dabei noch einige Pros, die man auch beachten sollte.

  • In einem Atomkraftwerk können gigantische Mengen an elektrischer und thermischer Energie gewonnen werden
  • Bei der Energiegewinnung fällt kein (ebenfalls oft diskutiertes) CO2 an
  • Zusätzliche Gaskraftwerke, um Atomkraftwerke zu ersetzen, steigern die Abhängigkeit von importiertem Gas
  • Durch das Abschalten von Atomkraftwerken gehen Arbeitsplätze verloren
  • Atomkraftwerke in Deutschland sind oft sicherer als jene die im Ausland installiert werden

Allerdings muss ich zugeben, dass einige dieser „Pros“ auf mich nicht gerade überzeugend wirken. Ökonomisch spricht nicht sehr viel für die Atomenergie. Allerdings sind die regenerativen Energien noch lange nicht so weit, die Atomkraftwerke zu ersetzen.

In einem Kommentar zum Atomausstieg habe ich dann wiederum einige sehr plausible Argumente für Atomenergie gefunden:

Die Ablehnung der Atomkraft ist kein Naturschutz

Durch einen Ausstieg werden alle anderen Ressourcen stärker beansprucht und teurer. Das geht besonders zu Lasten der ärmeren Länder und ist unsozial.

Umweltfreundliche Elektroautos oder Wasserstoff gibt es nur mit genügend elektrischer Energie.

Die Nutzung oder Ablehnung der Atomkraft muss eine Abwägung der Vor- und Nachteile sein, nicht eine einseitig gerichtete Entscheidung.

Der Ausstieg hat Folgen, die nicht ignoriert werden dürfen.

Um so mehr man sich informiert, um so schwerer wird sich selbst eine objektive Meinung über Atomenergie zu bilden. Wenn man darauf verzichten könnte, würde sich fast jeder dafür begeistern (nicht unbedingt die, welche an KKWs verdienen). Leider scheint das momentan aber nicht möglich zu sein.

Meine ehemalige Geschichtslehrerin sagte in solchen Situationen stets: „Was nun, was tun?“

Hier noch einige Politiker-Statements zum Atomausstieg (2005)

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