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Loveparade. Tangiert mich peripher.

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Der Tag als es passierte. An dem Tag des großen Loveparade-Unglücks war ich selbst auf einer großen Veranstaltung, an der mehrere tausend Menschen teilnahmen. Und es wurde dort viel Alkohol getrunken und man hatte seinen Spaß. Irgendwann später abends kommt ein Freund zu mir seinem iPhone und zeigt mir die schockierende BILD-Nachricht. Man denkt sich: „Oh wow, 17 Tote. Sicher schlimm da…“ Und dann feiert man normal weiter und denkt die nächsten zwei drei Tage nicht einmal daran. Na und…
Sicher spricht man ab und zu mal darüber, aber auch das berührt einen nicht viel mehr. Ich kann mich nicht hinstellen und so tun, als würde mich dieses Unglück völlig runterziehen. Woran liegt das? Normalerweise bin ich nicht so. Eigentlich interessiere ich sogar für nahezu alles und jeden. Ich kann mir Dinge bis ins kleinste Detail merken, die ich vor 15 Jahren erlebt hab. Ich könnte Filme haargenau wieder geben, die ich vor Jahren geschaut hab.Genauso geht es mit den Menschen. Ich merke mir so gut wie alles, was mir jemand mal erzählt – über Jahre.
Diese Sache ist eigentlich ganz einfach. Die Menschen, Begebenheiten, ja sogar Filme sind mir wichtig, viel wichtiger, es liegt mir etwas an ihnen. Man knüpft einen kleinen emotionalen Wert an etwas und schon berührt es mich – irgendwie.  Selbst flüchtige Bekanntschaften. Auf jeden Fall weitaus mehr, als die Loveparade. Sicher, es ist echt schlimm, dass Menschen wegen der Unfähigkeit anderer sterben mussten, aber das hat mir nichts zu tun. Hätte mir jemand davon erzählt, wie es für ihn war oder ich würde einen Betroffenen kennen, wäre die Situation auch schon wieder anders. Aber das ist nicht der Fall, also finde ich es schlimmer wenn das Haustier eines/r Freundes/Freundin stirbt. Und mich hinstellen: „Oh mein Gott, wie krass, das ist ja voll schlimm. Hhhhhhhhhhhh…!“ Nee, nicht meins. Befasse ich mich lieber mit den realen Menschen. Und ist das jetzt irgendwie verwerflich? schlimm? egozentrisch? arrogant?

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